Als begnadeter Tierdarsteller brach er oft mit seiner Staffelei in den zoologischen Garten auf, um für seinen perfektionistischen Anspruch an seine darstellende Arbeit den Blick auf echte Tiere richten zu können. Die inneren Bilder von meinen unzähligen Ausflügen und Nächtigungen auf weichem Moos unter den Bäumen in der freien Natur meiner Heimat vor Augen, kam mir der Zoo vom ersten Besuch an künstlich und stark begrenzt vor. Fasziniert von den Schilderungen meiner Erlebnisse in freier Wildbahn begann Ludwig Heinrich Jungnickel den eindrucksvolleren Unterschied im Naturerlebnis zu erahnen. Er nahm meine kindlich naive Einladung an und an einem herrlichen Sommernachmittag ließ er sich von mir zum ersten Mal an die mir vertrauten Orte verschiedener Tiere am Fuße der Karawanken führen. So konnte er eine Fülle an authentischen Eindrücken wild lebender Tiere einfangen und diese ganz nah in der freien Natur zeichnen. Er bezeichnete mich immer als sein „Geschenk“ von Mutter Natur. Er war es auch, der mich am Beginn meiner künstlerischen Träume in meinem ganz besonderen Gefühl für Formen und Farben bestätigte. Er ermutigte mich, den Pinsel nicht mehr aus der Hand zu geben und zukünftig an meinem künstlerischen Talent akribisch zu arbeiten.
Für seine wichtigen, anhaltenden Impulse für mein künstlerisches Schaffen bin ich ihm unendlich dankbar. Sein Geist aus den intensiv erlebten gemeinsamen Zeiten im Zeichen der künstlerischen Wahrnehmung der Natur lebt bis heute in mir fort. Franco Thamér